Sattelanpassung und warum da so viel falsch gemacht wird

Ein immer wieder leidiges Thema das immer zu Lasten des Pferdes geht. Es gibt leider viel zu viel Sattelverkäufer welche vorgeben  Ahnung zu haben. Das Problem ist, dass diese Sattelverkäufer sich darauf spezialisiert haben den Leuten mit irgendwelchen theoretischen  Kenntnissen die Augen zu verwischen...

Leider haben die meisten Sattelverkäufer absolut keine Physiotherapeutischen oder Anatomiekenntnisse des Pferdes ! Und leider auch ganz oft keine Ahnung wie man ein Pferd korrekt reitet und artgerecht ausbilden soll.  

Es ist leider kein einfacher Prozess bei einem Rückengeschädigten Pferd einen Sattel anzupassen bzw. das Pferd so aufzubauen, dass der Sattel in ein paar Wochen oder Monate später optimal passt. Leider ist es die traurige Wahrheit, dass bei schätzungsweise 75% der Pferde die Sättel nicht optimal passen und es so zu starken Beeinträchtigungen kommt. Diese führen zu massiven Schmerzen und muskulärer Veränderungen beim Pferd, dies nicht nur am Trapezmuskel  sondern auch am langen Rückenmuskel. Dies wiederum hat zur Folge, dass sich zb. die Halsmuskulatur, Kruppenmuskulatur und Bauchmuskulatur komplementarisch und falsch bemuskelt. Ein gutes optisches Beispiel für solche Probleme ist ein dicker Bauch, der nach unten hängt. Dies liegt meistens nicht daran, dass das Pferd zu dick ist !!! so heißt es dann immer… Dies liegt daran, dass das Pferd durch den Druck vom Sattel welcher nicht im Schwerpunkt liegt im Lendenbereich abkippt, nachgibt. Dadurch kann das Pferd keine Bauchmuskulatur mehr aufbauen !!! Die gesamten Bauchinnereinen werden nicht mehr von der Bauchmuskulatur getragen. Die Liste lässt sich noch lange weiter führen !!!

Die Pferde zeigen oft Probleme bei der Arbeit, wie zb. Taktfehler, verkürzte Bewegungen in Schritt, Trap und Galopp, sie sind sehr steif  in der gesamten Bewegung, Probleme bei der Rittigkeit, zb. bei der Biegung, kommen mit dem Rücken nicht hoch, und können einfach nicht ordentlich durchs Genick laufen, sie kommen nicht unter den Schwerpunkt, um nur einiges zu erwähnen…

Wie passe ich einen Sattel richtig an ?

Diese Frage lässt sich so gar nicht beantworten da dies immer abhängig vom Zustand des Pferderückens ist… Man sollte aber NIE die Polsterung dem Pferderücken anpassen, also auf keinen Fall am Widerrist die Polsterung in die Löcher des fehlenden Trapezmuskels  reinpolstern !!!

Ein Sattel sollte von den Kissen her immer so sein wie das Pferd im Idealzustand von der Muskulatur her aussehen würde !!! Nur dann kann ich dafür garantieren, dass der Sattel nach dem Muskelaufbau optimal passt.

Wie mache ich das denn jetzt ?

Eigentlich ist uns jedes Mittel recht um in der Anfangszeit den Rücken so zu entlasten, dass sich die oft fehlende Muskulatur wieder aufbaut ! zb. Das Lammfell, Lammfelle mit Einlage oder das Gelpad, oder wenn es sein muss auch beides… Einen Muskel kann ich nur dann wieder gut aufbauen, wenn zwischen Sattelkissen und Pferderücken ein Puffer ist der es dem Muskel erlaubt seine Funktion wieder aufzunehmen. Es darf in dieser Zeit kein großer Druck auf den Muskel kommen der ja schon geschädigt ist !

Der Sattel muss vorne am Widerrist links und rechts Platz bieten, die Widerristfreiheit nach oben hin 2-3 Finger ist eigentlich im Verhältnis sehr unwichtig !!! Das war früher mal und ist heute überhaupt nicht mehr Zeitgemäß ! Der Sattel darf an dieser Stelle lediglich nicht aufliegen und nicht scheuern. Der Schwerpunkt des Sattels muss absolut passen.  In der Anfangsphase kann es sein, dass wir den Sattel sogar leicht nach vorne verlagern um den Druck aus der Lendenpartie zu holen… dabei kommt es oft zu Missverständnissen wenn dritte sich den Sattel anschauen…

Für uns ist es aber erst mal wichtig das Pferd wieder Schmerzfrei zu bekommen und den Muskelaufbau zu beschleunigen. In vielen Fällen sollte aber auch ein Tierarzt oder Physiotherapeut zur Hilfe gezogen werden, da man so dem Pferd vieles erleichtern kann.

Warum passt nicht jeder Sattel ?

Die meisten Sättel sind leider in der Tat nicht für unsere Pferde geeignet. Die meisten Sattelhersteller orientieren sich bei der Entwicklung eines Sattels an dem Normpferd das im Stall steht. Dem Pferd mit dem falsch bemuskelten Pferderücken, so wurde es ja auch über Jahrzehnte immer gemacht.

Die Sattelbäume haben zu viel Schwung, die Sattelkissen sind zu rund und zu prall gefüllt. Die Widerristfreiheit ist sehr oft ungenügend und die Kammer fast immer zu eng, ganz besonders links und rechts am Widerrist.

Die Winkelung der Kissen ist auch sehr oft viel zu steil. Die hatte man früher mal bei sehr schmalen Vollblütern. Die Zucht ist aber heute nicht mehr da wo sie vor 20 Jahren war !!! Solche Kissen kommen erst durch das Gewicht des Reiters zum Aufliegen auf dem Pferderücken. Das ist eine sehr schmerzhafte Angelegenheit fürs Pferd.

Wie soll der optimale Sattel denn aussehen ?

Als aller erstes soll sich der Sattel nicht nach dem Reiter richten müssen, sondern nur nach dem Pferd !!! Da es ja aber verschiedene Modelle gibt kann man auch dem Reiter zum Teil entgegen kommen. Der Reiter sollte aber in der Lage sein sich innerhalb von 2-3 Wochen anzupassen ! Wenn nicht sollte man sich die Frage stellen ob man den richtigen Sport gewählt hat ??? Ein Pferderücken kann das NIE !!!

Der optimale Sattel muss dem Pferd genügend Schulterfreiheit bieten, links und rechts neben dem Widerrist muss ich mit der Hand rein kommen. Der Sattel darf nicht auf dem Widerrist aufliegen, auch 1 Fingerbreit kann genug sein ! Der Sattel muss vom Schwerpunkt her so liegen, dass der Reiter in perfekter Sitzposition (Absatz-Hüfte- Schulter bilden eine Linie) auf dem Pferd sitzt. Eine Tendenz nach vorne ist besser wie zu sehr nach hinten !!!

Bei manchen Pferden ist es besser einen Sattel zu nehmen der ein verbreitertes Kopfeisen hat, da manche Pferde sehr breit neben dem Widerrist sind oder einen hohen Widerrist haben. Damit kann ich den Sattel mit mehr Schulterfreiheit auflegen und habe dennoch viel Widerristfreiheit.

Der Sattel sollte ein verstellbares Kopfeisen haben !!! Eines was vor Ort eingestellt werden kann. Viele Anbieter bieten das mittlerweile an, aber viele dieser Sättel lassen sich beim weitem nicht genug verstellen !!! Die Durchschnittskammer unserer Pferde ist mittlerweile bei 32-34 und schon lange nicht mehr bei 30-31 !!! 

Viele Sättel die man von der Kammer her  verstellen kann fangen bei einer breiten Kammer  an zu schaukeln, dies liegt wiederrum an dem Sattelbaum und an der Kissenform.

Wie Sie sehen ist das Sattelthema wirklich nicht so einfach und ich könnte noch lange weiter schreiben, und Sie noch mehr verunsichern aber leider wird es Zeit, dass sich die Reiter mal klar machen was Sie ihrem Pferd manchmal antuen… Natürlich nicht wissentlich und mit schlechter Absicht sondern eher durch das irreführende Geschwätz der vielen Sattelverkäufer und Spezialisten…

Ich hoffe ich konnte wenigstens ein paar Reiter und Pferdebesitzer mit diesem Schreiben erreichen. Wenn Sie Fragen haben stehe ich Ihnen natürlich gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Halsdorf Jean-Luc

Caprilli Saddle´s